Fahlerkerb


 

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600 Jahre Fahlerkerb in Laufenselden

von Friedrich Schmidt

600 Jahre Fahlerkerb -das ist keine leichtfertige Behauptung- sie ist nachweisbar an Fakten und Urkunden. Es ist lebendige deutsche Geschichte.

Zur Zeit Karl des Großen berichteten Geschichtsschreiber über das Gebiet zwischen Rhein-Lahn-Aar und Wisper. Es wird Einrichgau genannt. Die Hauptstadt ist Marienfels, des gleichzeitigen Dekanats Marienfels. Es gibt eine Schenkungsurkunde, daß Karl der Große dieses Gebiet der Abtei Prüm in der Eifel geschenkt habe. Damit gehört es zum Erzbistum und Kurfürstentum Trier. Die Lehensherren, die den militärischen Schutz zu übernehmen hatten, waren die Grafen von Amstein. Von da an war der Einrichgau kirchlich und politisch eine Einheit. Im Jahr 1160 veräußerte ein Vetter des letzten Amsteiner Grafen die Herrschaft zu etwa gleichen Teilen an die Grafen zu Nassau und Katzenelnbogen.

Hier wird es interessant: Laufenselden und Rettert gehörten zur sogenannten Niedergrafschaft Katzenelnbogen, aber das Dorf Rettert war in seinen ,,Bannzäunen" nassauisch und seine Feldgemarkung ringsherum war später "vierherrisch". Das heißt, sie gehört zu einem Viertel ,,Alt-Katzenelnbogen" -Neu Katzeneinbogen- der nassauisch-ottoischen und nassauisch-walramischen Linie.

In vielen Berichten von der Fahlerkerb im späteren Mittelalter, also nach 1479 wird erwähnt, daß die Laufenseldener, die aus dem Hessischen kommen, in dem nassauischen Dorf Rettert ihre Kerb feiern, aber nicht innerhalb des Ortsberings, sondern auf den Äckern am Fahler, die ja vierherrisch und damit auch hessisch waren. Immer wird erwähnt, daß bei dem dreimaligen Umgang um den Kerbeplatz vor der Kerbegesellschaft der Schultheiß von Laufenselden mit seinen Lanzeträgern und den ,,Feldgerichtsschöffen" marschierte. Außerdem durften auf dem Platz nur Laufenseldener Schankwirte und Händler ihre Stände aufschlagen. Denen aus dem ,,Nassauischen" war es verboten, an diesem Tag den Kerbeplatz zu betreten.

Damit kommen wir zu dem Tag.

Wer hat diesen Termin festgelegt?

In der Urkunde zur Stadtrechtsverleihung an Laufenselden im Jahre 1360 durch Kaiser Karl IV. erhielt die Gemeinde die Stadt- und Marktrechte wie die freie Reichsstadt Frankfurt am Main. Es durften zwei Märkte abgehalten werden. Der erste war im Frühjahr, der zweite wurde auf den Montag nach Laurentius festgelegt. Eben dieser Tag ist der Termin der Fahlerkerb. Es ist also eindeutig, daß die Laufenseldener den Markt mit der Fahlerkerb verbunden haben. Damit stellt sich die Frage: Wann ist sie entstanden?

Die älteste Glocke, die in der Retterter Kirche hängt, ist aus dem Jahre 1411. Dies ist kein Beweis für den Zeitpunkt des Kirchenbaus, aber immerhin ein Anhalt. Aber wenn man bedenkt, daß es 1526 nur 16 Hausgesäße (Haushaltungen) hatte, aber Laufenselden z.B. 1583 76 Hausgesäße, dann kann man sich denken, daß die alte Kirche in Rettert nicht allzu groß war. Wir wissen, daß bei der Gründung dieser Dörfer, die durch Rodungen entstanden (um 1250 wird Rettert Retrod genannt), zuerst Holzkirchen gebaut wurden. Es gab gute Zimmerleute. So wird berichtet, daß das Podium auf dem ,,Faler" viele Jahre benutzt werden konnte, weil es aus Eichenbalken gezimmert war.

Jetzt stellt sich die Frage, wie kam die hessische Stadt Laufenselden dazu, dem etiche Kilometer entfernten nassauischen Dorf Rettert beim Kirchenbau zu helfen?

Warum waren die Kerbeburschen bewaffnet, was es sonst nur bei Schützenfesten gibt?

Dafür gibt es eine Erklärung. Die Grafen von Katzenelnbogen hatten die Laufenseldener Landwehr mit dem Marktschutz in Rettert beauftragt. Sie war auf Befehl der Grafen für Ruhe und Ordnung verantwortlich. Erst im 19. Jahrhundert, als bei einer Schlägerei einem Burschen von Ergeshausen ein Gewehrkolben auf den Schädel geschlagen wurde und er wie tot dalag, mußten auf Grund eines gerichtlichen Urteils die Gewehre auf dem Rothen Hlof abgelcgt werden.

Es wird von mehreren Dörfern berichtet, die beim Bau geholfen haben, aber ihr Recht, die Kirchweih in Rettert feiern zu dürfen, nicht aufrecht erhalten haben. Unter anderem wird auch Roth genannt, was nicht identisch ist mit der heutigen Ortsgemeinde Roth bei Katzeneinbogen, sondern damit ist mit Sicherheit der heutige Rother Hof gemeint, der ja auch am Fahlerkerbeweg liegt. Der Rothe Hof gehörte im Mittelalter dem Kloster Gronau und war damit katzenelnbogisch -ah 1476 hessisch.

Es wird immer von dem Usus (Brauch) berichtet, daß die Laufenseldener alle 3 Jahre die Fahlerkerb in Rettert auf ihrem bestimmten Platz halten durften und daß bei einmaligem Versäumnis das Recht für immer verloren sei (Beweis: Die anderen Gemeinden, die heute nicht mehr feiern dürfen). Aber einen schriftlichen Vertrag darüher gibt es nicht. Allerdings gibt es Gerichtsurteile aus hessischer Zeit vom Oberamt Rheinfels bei St. Goar und vom Amt Miehlen, nach denen die Retterter gegen das Recht der Laufenseldener geklagt hatten und den Prozeß verloren haben. Auch die Richter haben sich darauf bezogen. daß dieses Recht aus ungenannter Zeit nicht verletzt werden dürfte. Nur das Verbot für die Nassauischen den Kerbeplatz zu betreten, wurde aufgehoben. Heute holt der Retterter Bürgermeister mit seinen Kerbeburschen die Laafeseller ab und begrüßt sie auf dem Fahlerplatz. Dafür sind im Dorf Tür und Tlor geöffnet. Die Rettener Hlausfrauen haben reichlich Kaffee und Kuchen bereitgestellt.

Ab 1816 im Herzogtum Nassau waren wir ja dann vereint bis 1945. Von da ab mußte die Fahlerkerbegesellschaft die Zonengrenze via Rettert üherschreiten. Heute gehen die Hessen ins Rheinlandpfälzische. Gott sei Dank bemerkt man die Grenze nicht, so wie damals bei der deutschen Kleinstaaterei, ,,vo die Leute nur an den Grenzsteinen erkannte, ob sie auf Hessiseh-Rheinfelsischem, Nassau- Saarbrückischem oder Gronauischen Besitz waren. Auch in den Zeiten von Krieg, Not und Krankheit haben die Laufenseldener den Weg nach Rettert nicht gescheut, damit das Recht nicht verfüllt.

So gibt es einen Bericht von 1631, den uns der Geschichtsforscher und Archäologe von Cohausen in seinem Band der Römische Grenzwall von der Lahn zu Aar vor 100 Jahren geschildert hat Er schreibt: " Noch ein anderer Gebrauch, ein altes Recht, wird in Laufenselden aufrecht erhalten: die Faler Kerb nämlich, welche sie alle drei Jahre dicht vor den Dorfzäunen von Rettert feiern; dahin ziehen die von Laufenselden im August -keinesweges zur Freude der Retterter, die ihre Krautgärten dann geräumt haben müssen- und zwar wie es in einer Grenzbegehung von 1631 heißt, mit Musik, Trommeln. Fahnen und öffentlichem Feldgeschrei, die Insignien des Hessischen Landsturms. alte Lanzen, Halbmondhlörner, Trommeln werden im Gemeindehaus aufbewahrt und zu dem Fest verausgabt. vom Schultheiß, Gcricht und alten Hlalbmondbläsern dem Zug vorangetragen.

An der Gemarkungsgrenze, oben im Bluchenhochwald hielt der Zug und der Schultbeiß ermahnt die große Kirmesgesellschafi zur Ordnung im weiteren Zug. An Ort und Stelle auf der Südseite von Rettert angekommen, schlugen die von Laufenselden mitgebrachten Wirte ihre Schenken auf und es entfalten sich die landesüblichen Kirmesvergnügen. Der ganze Gebrauch wird hergeleitet von der Beihilfe, welche Laufenselden, Tiefenbach und Fischbach einst hier zum Kirchenbau geleistet , oder, was besser begründet, von einer Grenzbegehung. Ein geistreieher Gelehrter aber hat gefunden, daß Fahlerkirmes ein keltisches Wort sei und Hassmordfeier bedeute! Es gibt eben auch recht kuriose Gelehrte".

Soweit der Originaltext des Herrn von Cohausen.

Auch im Kriegsjahr 1870 wegen dem Ernst und der Würde der Zeit und im 2. Weltkrieg wegen der feindlichen Tiefflieger ging nur der Bürgermeister mit den Schöffen nach Rettert, umschritten dreimal den Platz und zogen ohne Musik und Feldgeschrei wieder nach Hause. Das alte Recht blieb erhalten.

1948, nachdem die Besatzungsmächte wieder öffentliche Feste und Veranstaltungen erlaubt hatten, wurde in altväterlicher Weise die Fahlerkerb wieder gefeiert.

Was die Stürme der Jahrhunderte überlebt hat, kann nicht untergehen.

Unsere Jugend hat es in der Hand, daß unsere Fahlerkerb auch noch im 21. Jahrhundert gefeiert wird.

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           Hans Werz
Datum der letzten Änderung: 09.02.2005